Landanzeiger (25. Oktober 1990)
Eindrückliche Buchvernissage von Kurt Haberstich
Staufferhaus, UnterentfeldenIn seinem Vorwort zum zweiten Band mit Gedichten und Aphorismen beschreibt Rudolf Burger, wie sich der einst passionierte, stets bis an die Grenzen seiner eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit gehende Kurt Haberstich, zum Schreiben fand. Nach einem schweren Gleitschirmunfall, der ihn zur Aufgabe seiner grösstenteils einsamen Ausflüge und Bergfahrten zwang, gingen ihm seinerzeit gewonnene Erkenntnisse vertieft auf, gleich einer im Verborgenen, sich zum Blühen anschickenden Blume entfaltend. Diese Einsichten finden in Kurt Haberstichs neuem Büchlein „Es wäre so…“ in einfacher, gerade deshalb wohl umso eindringlicher sprachlicher Form, ihren starken Ausdruck.
Als
Beispiel möge dienen:
Alleingang
muss
nicht nur
Egoismus
sein.
Man kann
dabei auch
die Kraft
finden
- zurück
in der Herde -
den
Schwächeren zu helfen.
Auch die Aphorismen bestechen durch ihre zündende Formulierung der Sprache, durch ihre gedankliche Treffsicherheit, wie etwa:
Hoffnung
ist die
Sonne
die
scheint,
wenn die
Nacht
noch
dunkel ist.
Die
sonntägliche Vernissage brachte nach der Begrüssung durch Alfred Stiner jun.,
Präsident des Staufferhaus-Vereins, einen interessanten und überaus aufschlussreichen
Dialog zwischen Rudolf Burger als Befrager und Kurt Haberstich.
Kurt
Haberstich hat bewiesen, dass er Mann seiner selbst ist. Einer, der weiss, was
er von sich fordern kann und der auch widerlichen Umständen zum Trotz seinen Weg
findet. Dazu kann man ihm nur ganz herzlich gratulieren. Und dass er das
Unterentfelder Staufferhaus, unweit dessen er aufgewachsen ist, für seine
Buch-Vernissage gewählt hat, zeigt die tiefe Verbundenheit mit seiner engsten
Heimat.
Die gegen
80 im Galerieraum des Staufferhauses Lauschenden zeigten sich vom Gebotenen
tief beeindruckt und freuten sich ob der klaren, kritischen und tiefsinnigen
Gedichte.
Umrahmt
wurde die Vernissage vom Duett „Güggs und Christa“, die mit irischen und
lateinamerikanischen Klängen die Veranstaltung sehr passend ergänzten.
Walter Linder