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BE-SINNLICHKEIT

Gedichte und Aphorismen

Gedanken zu einem Gedichtband von Kurt Haberstich


Mensch und Natur eine Einheit? Eigentlich: die Natur braucht den Menschen nicht. Aber der Mensch die Natur. Um sie uns geneigt, uns untertan zu machen, nach biblischem Auftrag, muss der Mensch bereit sein, der Natur zuzuhören, nachzuspüren, seine eigenen Kräfte mit den ihren in Einklang zu bringen. Ihr zu dienen, um sie zu beherrschen. Dazu gehören die Kraft und die Weisheit des Liebenden, der seine Liebesfreuden und Erfüllung dadurch empfängt, dass er ihre Wünsche über die seinen stellt. Sie so zur Hingabe und Entfaltung an den Liebenden bringt.

Kurt Haberstich, 1948 in Unterentfelden im Aargau geboren worden, ist ein Mensch, der Auge und Ohr, Herz und Sinn der Natur zur Verfügung stellt. Und dafür reichlich belohnt wird: die Natur antwortet ihm, zeigt ihm ihr Gesicht, das verborgene wie das offenbare. Beschenkt ihn mit ihren Gaben: Brot zum Leben, einer unendlichen, mitreissenden Freude am Dasein, gewährt ihm den Triumph, sie manchmal bezwungen zu haben: am berg, im Schnee- und Eisfeld, mit dem Wissen um ihre mannigfachen Geheimnisse und der Zuversicht um die Wiederkehr des Lichts auch nach langen Schattenzeiten. Sie schenkt ihm die Gelassenheit, nach einem Schicksalsschlag nicht zu verzweifeln, sondern von den vielen anderen Möglichkeiten des Lebens Gebrauch zu machen.

Das ermöglichte dem leidenschaftlichen Bergsteiger, der nahezu 500 Alpengipfel bestieg, auf den höchsten Bergen Nordamerikas und Perus stand, Spitzbergen durchquerte und im Alleingang auf Ski das Atlasgebirge beging, nach einem Unfall mit dem Gleitschirm nicht aufzugeben, sondern sich hinzusetzen und seine Erlebnisse aufzuzeichnen. Bekannt wurde er bereits mit Fotoreportagen, nun bringt er uns seine Gedanken auch in Form von Gedichten, Aphorismen, in manchmal fast liedhaften Worten nahe. In einer sehr bildhaften Sprache, man sieht den Berg vor sich, den „… steinernen Orden, an die Brust der Ewigkeit geheftet“. Oder man hört den Schrei „… der versiegelten Jahrtausende“ in den Schründen und Abgründen der Gletscher.

Es ist eine kernige und doch innige Sprache. Kurt Haberstich ist ein begabter Mittler zwischen Mensch und Natur, einer, der uns hören, fühlen, schmecken, sehen lehrt. Uns aufmerksam macht auf das, was die Natur uns zu sagen hat. Kurt Haberstich macht es uns leicht, ihm zu folgen auf diesem schweren Weg.

Edeltrud Katharina Timmermeister