Bis die gute Zeit anbricht
Weg-Gedanken…Bis die gute Zeit anbricht, schlägt der 1948 in Unterentfelden geborene Kurt Haberstich mit seinen Weg-Gedanken die Brücke. Einleitende Kurzgeschichten, „Begegnungen“, erweisen den Verfasser als tiefgründigen Schilderer eingeweihter Menschen, gewähren Einblick in die Schatzkammern echter Geisteskraft, zeigen seine intuitive Kontaktfähigkeit. Was er mit wachem Auge, offenem Ohr bewusst aufnimmt, wie er diese Begegnungen, Gefühle, inneres Erleben in Form von Prosatexten umsetzt und mitteilt, ist bewundernswert.
In seiner bildhaften Sprache, befreit vom Ballast überflüssiger Worte, schöpft er im Gedicht-Kapitel „Wolken – Pilger zwischen Gipfel und Sternen“ aus der Seele. Mit ehrfürchtigem Staunen fühlt er sich mit den verschiedensten Arten dieser geheimnisvollen Naturkraft verbunden: Sie nie aus seinem Gesichtskreis verlierend, sich ständig mit seiner Bestimmung auseinandersetzend, forscht er stets und überall nach Höherem, Tieferem; bald ist er bei sich selber zu Gast, bald findet er die Verbindung zu einer anderen, ewigen Welt.
Schmerzliche Hilflosigkeit, verzehrendes Schweigen, die Leere danach - Lebenssituationen die beängstigend, erschreckend, trostlos sein können. Ungeschminkt beschreibt der Autor hier das immer wieder Verdrängte, Totgeschwiegene. Texte die aufwühlen, betroffen machen – aber auch beruhigen und befreien. Wie es Aufgabe der Dichtung ist, Bleibendes zu stiften, den Sinn des scheinbar Verworrenen zu offenbaren, umschliesst auch dieses dritte Werk von Kurt Haberstich die geheime Mitte. Unerschrockene Liebe zur Wahrheit und lyrisches Einfühlungsvermögen verbinden sich hier zu einer Einheit, lehren die Spur des Ewigen lesen, werden zum nachklingenden Erlebnis – bis die gute Zeit anbricht…
Edwin Hämmerle